Gruppenfoto einer Fußballmannschaft auf einem Rasenplatz. Die Spieler tragen dunkelblaue Trikots, zwei Torhüter gelbe Trikots. Im Hintergrund sind Bäume, ein Fußballfeld und ein grosses Gebäude zu sehen.

“VAHDAT ist für mich eine Familie”

Sportanlage Hardhof, Zürich. 16. August. Auf dem Rasen laufen die Spieler von VAHDAT ihre Aufwärmrunden, dazwischen kurze Pässe, Rufe, Gelächter. In den Minuten vor dem Spiel bleibt Zeit für ein Gespräch. Rasul (18), Bilal (20) und Ali (20) erzählen, wie sie zum Verein VAHDAT gekommen sind und was er für sie bedeutet.

VAHDAT ist ein persisches Wort und bedeutet Einheit, Zusammenhalt oder Harmonie. Der Verein ist vor rund zwei Jahren aus einem Wochenendkick entstanden, aus einer Gruppe junger afghanischer Männer, die zusammen Fussball spielen wollten. Heute ist daraus ein Projekt geworden, das über den Platz hinausreicht.

Wie sie zu VAHDAT kamen

Bilal lernte Omid, einen der Projektgründer, über einen Deutschkurs kennen. «Omid hat gesagt, dass wir am Wochenende Fussball spielen, und ich dachte, das ist eine super Idee.» Drei bis vier Monate blieb es beim gemeinsamen Kick unter Kollegen, dann kam die Idee auf, ein richtiges Projekt daraus zu machen. Bilal ist seither dabei. Auch Rasul spielt seit der Gründung mit. Zum Team kam er über seinen Zimmerkollegen: Der kannte Omid, spielte selbst bei VAHDAT und stellte den Kontakt her. Ali fand über einen Kollegen den Weg zum Verein. Auf dem Platz decken die drei die Defensive ab. Rasul spielt in der Verteidigung, Ali als Innenverteidiger, Bilal ebenfalls hinten und wenn kein Goalie da ist, stellt er sich auch ins Tor – so wie heute.

Was VAHDAT für sie ausmacht

Abseits des Fussballs führen die drei ihr eigenes Leben: Ali macht eine Ausbildung als Elektriker und ist in der Freizeit mit Kollegen unterwegs oder im Fitness. Bilal absolviert ebenfalls eine Ausbildung und auch Rasul geht zur Schule. Abseits von VAHDAT fragt er auch mal andere, ob sie mit ihm Fussball oder Volleyball spielen. Und doch würde etwas fehlen ohne VAHDAT. Bei Bilal sitzt diese Antwort tief: «Wir haben hier in der Schweiz keine Familie oder Verwandte.» Allein zu Hause sitzen und durch Instagram oder TikTok scrollen sei kein Ersatz. Ali spielt sogar in einem zweiten Verein, trotzdem sagt er: «Wenn VAHDAT nicht wäre, dann würden mir meine Freunde und diese VAHDAT-Mannschaft fehlen.» Und Rasul bringt es auf einen kurzen Satz: «Wo man glücklich ist, da kann man auch bleiben.»

Was sie gelernt haben

Bei der Frage, was sie bei VAHDAT gelernt haben, erzählt Rasul vom Umgang mit sich selbst und mit anderen: «Ich habe gelernt, mit schwierigen Situationen gut umzugehen, wie man mit anderen umgehen kann, wenn man wütend oder aggressiv ist. Und Respekt habe ich gelernt, wie ich zu anderen sein soll. Vieles eigentlich.» Ali nennt Teamarbeit und Verantwortung. Und Bilal spricht von Einheit über Grenzen hinweg: «Was ich gelernt habe und worüber ich mich freue, ist Zusammenhalt nicht nur, weil wir Afghanen sind, sondern auch zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen.» Dieser Punkt ist ihm wichtig. Er erzählt, dass afghanische Gemeinschaften in Europa oft entlang von Volksgruppen auseinanderfallen und sich streiten. «Aber hier bei uns sagt man das nicht, das gefällt mir. Wir sind einfach aus Afghanistan.»

Zusammenhalt

Alle drei nennen unabhängig voneinander dasselbe, wenn sie das Beste am Verein beschreiben sollen. Für Ali ist es der Zusammenhalt, für Bilal «alle Spieler und die Einheit», für Rasul: «dass ich Kollegen habe, sozial eingebunden bin und mich ausdrücken kann».
Zusammenhalt ist, dass wir einander stützen und füreinander da sind. Rasul
Was Zusammenhalt konkret heisst, wird bei Ali greifbar: «Wir machen viel zusammen.» Neben Fussball hat VAHDAT auch ein Abfallsammelprojekt. Ausserdem treffen sie sich einmal im Monat, um Zeit miteinander zu verbringen.

Was VAHDAT für sie ist

Beim Aufwärmen und später während des Spiels wird sichtbar, wovon die drei erzählt haben: das Anfeuern von der Seitenlinie, das Klopfen auf die Schulter nach einem verlorenen Ball, das Selbstverständliche im Umgang miteinander. Am Ende jedes Gesprächs stand derselbe Satzanfang – VAHDAT ist für mich… Für Rasul ist es Freude: «etwas, wo ich gerne dabei sein will». Für Ali «wie eine zweite Familie». Und für Bilal, der von Anfang an dabei war, ganz ohne Vergleich: «VAHDAT ist für mich eine Familie.»

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