Gruppenfoto von Teilnehmenden des Hearings zu geflüchteten Menschen mit Beeinträchtigungen. Mehrere Fachpersonen und Betroffene sitzen nebeneinander auf einem Podium und schauen Richtung Publikum.
Gruppenfoto 04.02.2026

Öffentliches Hearing zum Thema Geflüchtete mit Beeinträchtigungen

“Wir können nicht weiter die Augen und Ohren verschliessen.” (Marco Jörg, Stiftung David Dienst Schweiz) Dieser Satz prägte das Hearing zum Thema Geflüchtete mit Beeinträchtigungen, das am 04.02. in Zürich stattfand. Rund 50 Fachpersonen, Betroffene und Angehörige kamen zusammen, um zuzuhören, Erfahrungen sichtbar zu machen und konkrete Empfehlungen zu diskutieren. Im Zentrum standen Praxisbeispiele von geflüchteten Menschen mit Beeinträchtigungen und ihren Angehörigen. Aus ihren Erfahrungen haben sie im Rahmen des NCBI-Projekts “Doppelte Grenzen überwinden” Empfehlungen abgeleitet, die an der gestrigen Veranstaltung mit den Podiumsgästen und dem Publikum diskutiert und weiter geschärft wurden. Deutlich wurde: Es fehlt nicht in erster Linie an Gesetzen, sondern an Zugang, Umsetzung und Mitbestimmung. Warum ist das wichtig? Geflüchtete Menschen mit Beeinträchtigungen sind mit doppelten Barrieren konfrontiert: den Herausforderungen des Ankommens und zusätzlich einem System, das für Menschen mit Beeinträchtigungen generell schwer zugänglich ist. Besonders gravierend ist dabei der mangelnde Zugang zu Information, Beratung und Leistungen und die fehlende politische Mitsprache. Die Rechte bestehen, ihre Umsetzung bleibt jedoch oft zufällig. Was nehmen wir mit? Teilhabe darf kein Zufall sein. Es braucht:
  • verständliche, mehrsprachige Informationen
  • niederschwellige, kultursensible Beratung
  • geeignete Unterbringung und barrierefreie Kommunikation
  • gleichen Zugang zu Leistungen, insbesondere für Kinder, unabhängig vom Aufenthaltsstatus
  • klare Zuständigkeiten bei Hilfsmitteln und deren Vorfinanzierung
Und vor allem: Mitbestimmung. Stimmen aus dem Hearing “Wer darf eigentlich mitbestimmen? Geflüchtete Menschen dürfen oft schon nicht mitbestimmen – geflüchtete Menschen mit Behinderungen noch weniger”, sagte Lea Sandoz-Mey (Behindertenkonferenz Kanton Zürich BKZ und inclusion360). Ihr Appell: politische Sichtbarkeit schaffen und Machtverhältnisse verändern. Deshalb der Aufruf zur Kundgebung zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 02.05.: “Wir müssen uns die politische Macht holen.” Eindrücklich war der Appell einer Angehörigen: “Wir brauchen kein Mitleid, sondern Unterstützung, damit wir stark bleiben können. Ich hätte mir gewünscht, dass mich jemand fragt: Wie geht es Dir eigentlich?” Die Tagung machte deutlich: Gleichstellung entsteht nicht durch gutes Zureden, sondern durch klare Strukturen, verbindliche Prozesse und das konsequente Einbeziehen der Betroffenen. Ein weiterer Schritt hin zu einer Schweiz, die nicht nur zuhört, sondern handelt. Mehr zum Projekt: https://ncbi.ch/integration-von-gefluechteten/unsere-stimmen/unsere-stimmen-fuer-gefluechtete-mit-beeintraechtigung/

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